Psychosomatische Störung im Alter
Im Laufe soziokultureller Veränderungen und bedingt durch den medizinisch-technischen Fortschritt wächst der relative Anteil älterer Menschen in der Bevölkerung. Die Lebenserwartung hat sich deutlich erhöht und beträgt heute für Frauen 82 Jahre und für Männer 75 Jahre. Ältere Menschen zeigen sich als „neue Alte“ häufig aktiv, vital, am Leben interessiert und keineswegs ausschließlich abgeklärt auf den Tod wartend.“ Die zunehmende wissenschaftliche Beschäftigung mit der Psychotherapie älterer Menschen wird immer mehr in der Praxis Umsetzung finden. Neben neurotischen Störungen, die auch im Alter keine Seltenheit sind, sind es hier besonders die Einschränkungen der Lebensführung durch Veränderungen und Beeinträchtigung aber auch nachlassende körperliche Mobilität bzw. chronische Erkrankungen. Bei der Entstehung einer psychosomatische n Störung im Alter wirken also viele Faktoren mit. Die Erfassung und Analyse der psychosomatische n Störung im Alter ist die Voraussetzung für eine Erfolg versprechende Therapie. Schon heute sind auf vielen Stationen der inneren Medizin mehr als die Hälfte aller Patienten über 65 Jahre. Auch das Patientengut des Hausarztes setzt sich zum größten Teil aus älteren Menschen zusammen - und dieser Anteil wird weiter zunehmen. Die Therapie und Behandlung einer psychosomatische n Störung und chronischer Krankheiten im höheren Lebensalter wird in Zukunft immer wichtiger werden, d. h., dass die Ausbildung der jungen Mediziner um Fragen der Altersmedizin bzw. Alterspsychiatrie erweitert werden muss. Psychosomatische Störung: Problembereiche älterer Menschen Gravierende Veränderungen der Familienstruktur haben Auswirkungen auf den Familienstand im Alter. Es ist davon auszugehen, dass in der Gruppe der 60-jährigen und älteren Menschen die Anzahl lediger und geschiedener Personen kontinuierlich zunehmen wird. Es gibt eine enge Verknüpfung von Krankheit und Lebensgeschichte. Ob sich eine psychosomatische Störung entwickelt, ist nicht von dem Maß an erfahrenen Konflikten abhängig, sondern allein von den darauf folgenden Reaktionen. Psychotherapeutische Behandlungen wie Einzel- und Gruppengesprächstherapie können deshalb bei einer psychosomatische n Störung und entsprechenden Symptomen durchaus erfolgreich sein. Bei älteren Menschen besteht häufig ein erheblicher Unterschied zwischen ihrem tatsächlichen Erleben körperlicher Beschwerden und den ärztlich erhobenen Organbefunden. Es hat sich herausgestellt, dass es sich bei so genannten „altersbedingten“ Organstörungen nicht nur um unveränderliche (irreversible) Defekte und Abbauerscheinungen handelt: unter dem Aspekt eines individuellen Sinnverständnisses gewinnen dagegen viele Symptombildungen und Krankheitsverläufe auch schwer kranker alter Menschen eine neue Dimension. So ist beispielsweise denkbar, dass Patienten „aus inneren Gründen auf ihre Symptomatik angewiesen sein können“. Sie mit ihrer psychosomatische n Störung zu verstehen und zu respektieren kann nur auf dem Hintergrund eines psychosomatischen Sinnverständnisses gelingen. Psychosomatische Störung: Therapiemöglichkeiten Die Therapie bei einer psychosomatische n Störung besteht vor allem in psychotherapeutischer Beratung und Führung. Es geht um die Verdeutlichung von seelisch-körperlichen Wechselwirkungen im Sinne der Psychosomatik im Zusammenhang mit Schlafstörungen, mit Depressionen, Angstzuständen, Verlust- und Konfliktreaktionen, mit chronischen Schmerzzuständen wie auch in der Sexualität. Sexualstörungen sind auch im höheren Lebensalter vorwiegend seelisch bedingt; allerdings sind als mit verursachende Faktoren körperliche Störungen bzw. Erkrankungen mit im Spiel. Eine psychosomatische Störung entwickelt sich nicht „zufällig“, sondern formt sich als Ergebnis des Gegensatzes zwischen innerer und äußerer Lebensgeschichte, in der Spannung zwischen inneren Haltungen und Gefühlen. Therapeutische Einsichten lassen sich daher immer nur in der Bezogenheit auf die Auslegung dieser Lebensgeschichte gewinnen. Psychosomatik im Sinne ganzheitlichen Denkens setzt ökologisches (Umwelt-) Bewusstsein voraus, das immer auch ein spirituelles Bewusstsein ist. Psychosomatische Störung: Ziele der Psychotherapie bei einer psychosomatische1n Störung im Alter Sofern die psychosomatische Störung von akuten Belastungen und Krisen überlagert wird, ist in jedem Fall das vorrangige Therapieziel, dem Betroffenen zu helfen, die akut aufgetretenen negativen Auswirkungen auszugleichen, d. h. eine optimale körperliche und psychische Befindlichkeit zu erhalten oder zurück zu gewinnen. Dies ist zunächst wichtiger als weitergehende seelische Veränderungen anzustreben. Nach einer bewältigten akuten Belastung oder Krise erscheint durchaus angebracht, auf eine neue Identität oder - unter Umständen - auf weniger idealistische Lebensziele hinzuarbeiten (Verlustverarbeitungen, Auseinandersetzungen mit Verlusten, Entwicklung neuer zwischenmenschlicher Beziehungen, Akzeptanz erforderlicher Abhängigkeiten). Dabei spielt eine besondere Rolle, das „Umgehen“ mit den Lebenseinschränkungen. Es gilt: je beeinträchtigter ein älterer Mensch ist, desto genauer und abgegrenzter sollten die Ziele der Psychotherapie abgesteckt sein. Von besonderer Wichtigkeit ist die Herstellung einer therapeutischen Beziehung. In der Behandlung muss eine ausreichende Flexibilität in der Wahl und Anwendung unterschiedlicher therapeutischer Verfahren vorgehalten werden. Die Behandlungsziele bei älteren Patienten mit einer psychosomatische n Störung sollten konzentrierter und klar formuliert werden. Ziele können beispielsweise bestehen in der Verbesserung zwischenmenschlicher und sozialer Beziehungen, in der Erhöhung der Leistungsfähigkeit wie auch in der Bewältigung von Konflikten und Ängsten. Sie können sich weiterhin beziehen auf die Akzeptanz körperlicher Gebrechen, kognitiver Beeinträchtigungen und Abhängigkeit wie auch darauf, mit den Ängsten vor dem Sterben und dem Tod fertig zu werden. Tiefenpsychologisch fundierte ressourcenorientierte Verfahren können angezeigt sein bei Ruhestandsproblemen, dem Bewusstwerden der zeitlichen Begrenztheit des Lebens, dem Verlust wichtiger Bezugspersonen sowie bei Veränderung der ehelichen, familiären und beruflichen Beziehungen. Psychosomatische Störung: Therapie in der Abteilung Psychotherapie und Psychosomatik Sinnvoll ist häufig eine stationäre Therapie als Intervallbehandlung in Verbindung mit ambulanter Weiterbehandlung, die eine gute Kooperation zwischen der Klinik und ambulant tätigen Ärzten voraussetzt. Geeignet scheint in der Klinik besonders die Kombination von Einzel- und Gruppenbehandlung, Entspannungsverfahren, übenden Verfahren sowie psychologischer Beratung zur Unterstützung und Stärkung von Bewältigungstechniken und Entscheidungshilfen. Psychotherapie im engeren Sinne ist dann indiziert, wenn weitergehende Veränderungen des Erlebens und Verhaltens angestrebt werden. Die Psychotherapie im Alter zielt immer auch auf die Entwicklung von Potenzialen und Ressourcen. Dr. med. B. Keller
Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unser Chefarzt im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.
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